Zum Hauptinhalt springen

.brand TLD: Warum große Marken ihre eigene Domain-Endung erstellen

Von CaptainDNS
Veröffentlicht am 28. Januar 2026

Illustration einer .brand TLD mit den 4 Nutzenachsen: Einheitlichkeit, Authentizität, Nähe und Sicherheit
Das Wichtigste
  • Eine .brand TLD = Ihre eigene Domain-Endung (.captaindns), die ausschließlich Ihrem Unternehmen vorbehalten ist
  • 494 aktive .brands weltweit, 32.409 Domains registriert (Mai 2025)
  • 4 von AFNIC gemessene Vorteile: Einheitlichkeit (83%), Authentizität (80%), Nähe (71%), Sicherheit (77%)
  • Weltweite Spitzenreiter: .dvag (DE, 10.562), .leclerc (FR, 1.165), .google (US, 622), .toyota (JP, 185), .ferrari (IT), .zara (ES)
  • Achtung: Eine .brand ist ein Kostenfaktor, keine Einnahmequelle – eine rein defensive Strategie = Risiko der Aufgabe

Landen Ihre E-Mails im Spam? Zögern Ihre Kunden, auf Ihre Links zu klicken? Gibt Ihre Rechtsabteilung jedes Jahr Zehntausende Euro aus, um Ihre Marke gegen Cybersquatting zu verteidigen?

Diese Probleme haben eine radikale Lösung: Besitzen Sie Ihre eigene Domain-Endung.

Im vorherigen Artikel über die ICANN Next Round 2026 haben wir die Gelegenheit vorgestellt. Hier tauchen wir in den spezifischen Fall der .brand TLDs ein: Was sie konkret bringen, wer sie erfolgreich nutzt, und ob Ihr Unternehmen sich bewerben sollte.

Was ist eine .brand TLD?

Eine .brand TLD (auch "Marken-TLD" oder "dotbrand" genannt) ist eine Top-Level-Domain, die ausschließlich einem Unternehmen gehört. Anstatt captaindns.com zu verwenden, werden Sie Eigentümer von .captaindns und erstellen die Domains, die Sie möchten: shop.captaindns, email.captaindns, promo.captaindns.

Der rechtliche Rahmen: Specification 13

Die ICANN definiert .brands über die Specification 13 des Registry Agreement. Dieser Rahmen ermöglicht es Unternehmen, eine "geschlossene" TLD zu betreiben, bei der:

  • Nur das Unternehmen (oder seine Tochtergesellschaften) Domains registrieren kann
  • Kein öffentlicher Verkauf erlaubt ist
  • Der Namensraum vollständig kontrolliert wird

Diese Geschlossenheit schafft den Wert: Jede Domain unter .captaindns ist per Definition legitim.

Der Markt im Jahr 2025

IndikatorWert
Delegierte .brands (2012-2025)500
Aktive .brands (nach Aufgaben)370
Tatsächlich genutzte .brands244 (50% Erfolgsquote)
Registrierte Domains unter .brand29.561
Vertretene Herkunftsländer40

Quellen: ICANN, Dotzon 2025

Verteilung nach Herkunftsland (Anzahl der .brands):

RangLand.brandsSpitzenreiter
1USA~120.google, .amazon, .apple, .aws
2Japan~60.toyota, .canon, .panasonic
3Deutschland~50.dvag, .schwarz, .audi, .bmw
4Frankreich22.leclerc, .bnpparibas, .mma
5UK~20.barclays, .hsbc, .sky
6Spanien7.zara, .seat, .bbva, .telefonica

Verteilung nach registrierten Domains (effektive Nutzung):

RangLandDomainsKommentar
1Deutschland~12.000Spitzenreiter dank .dvag (10.562)
2Frankreich~3.500Leclerc, MMA, BNP Paribas
3USA~2.500Google, Amazon, Microsoft
4UK~1.500Barclays, HSBC, Sky
5Spanien~500Telefónica, Seat, Zara
6Japan~400Toyota, Canon

Aufschlussreiches Paradoxon: Die USA haben die meisten .brands, aber Deutschland nutzt seine am besten. Eine .brand zu haben ≠ sie effektiv zu nutzen.

Die 4 Achsen der .brand-Kundenerfahrung

Eine AFNIC-Studie von 2024 unter 2.000 französischen Internetnutzern hat die Auswirkung von Marken-TLDs auf die Nutzerwahrnehmung gemessen. Die Ergebnisse gliedern sich in 4 Achsen.

Die 4 Achsen der .brand-Kundenerfahrung: Einheitlichkeit, Authentizität, Nähe, Sicherheit

Einheitlichkeit: 83% der Internetnutzer

83% der Internetnutzer identifizieren das Unternehmen sofort anhand der Marken-TLD.

Die .brand schafft eine visuelle und strukturelle Konsistenz über das gesamte digitale Ökosystem. Ein Filialnetz wie Leclerc (mit stadt.leclerc für jeden Standort) oder ein Agenturnetz wie MMA profitiert von einer einheitlichen Identifikation, unabhängig vom Kontaktpunkt.

Konkreter Nutzen: Schluss mit überlangen URLs (magasin-paris-15.leclerc-drive.com), Platz für Einfachheit (paris15.leclerc).

Authentizität: 73-80% der Internetnutzer

Zwei gemessene Dimensionen:

  • 80% fühlen sich beim Besuch einer .brand-Website sicherer
  • 73% vertrauen E-Mails von einer .brand-Domain mehr

Letzterer Punkt ist entscheidend: 76% der Internetnutzer sind der Meinung, dass die .brand hilft, legitime E-Mail-Absender zu identifizieren. In einem Kontext, in dem Bank-Phishing explodiert, ist dies ein großer Vorteil.

Konkreter Nutzen: Eine E-Mail von berater@meinebank.bnpparibas ist sofort als legitim erkennbar. Eine E-Mail von bnpparibas-service@gmail.com ist es nicht.

Nähe: 71% der Internetnutzer

71% der Nutzer empfinden eine direktere Beziehung zur Marke, ohne den Vermittler .com oder .de.

Die URL meinebank.bnpparibas suggeriert eine direkte Verbindung, während bnpparibas.com ein generisches Element dazwischenschaltet. Das ist subtil, aber messbar.

Konkreter Nutzen: Stärkung der emotionalen Bindung zwischen Marke und Kunde, besonders in Branchen, in denen Vertrauen entscheidend ist (Bank, Versicherung, Gesundheit).

Sicherheit: 77% der Internetnutzer

77% der Internetnutzer sind der Meinung, dass Marken-TLDs die Sicherheit von Online-Transaktionen verstärken.

Über die Wahrnehmung hinaus bieten .brands echte technische Vorteile: geschlossener Namensraum (keine betrügerischen Domains möglich), verstärkte DMARC/SPF-Richtlinien auf TLD-Ebene und vollständige Kontrolle über die DNS-Infrastruktur.

Konkreter Nutzen: Drastische Reduzierung von Phishing, das auf Ihre Marke abzielt. Wenn nur Ihre Domains unter .captaindns existieren, können Betrüger keine fake-seite.captaindns erstellen.

Detaillierte Erfolgsbeispiele

E.Leclerc (.leclerc) - 1.165 Domains

Die Leclerc-Gruppe ist der französische Champion der .brand mit 1.165 registrierten Domainnamen.

Strategie: Eine Domain pro Geschäft. Jeder Standort hat seine eigene Adresse unter stadt.leclerc (z.B. brest.leclerc, toulouse.leclerc).

Erzielte Vorteile:

  • Perfekte Einheitlichkeit des Netzwerks mit über 700 Geschäften
  • Sofortige Erkennung für Verbraucher
  • Vereinfachung des Anti-Phishing-Kampfes: Jede Website, die sich als Leclerc ausgibt, aber nicht unter .leclerc ist, ist sofort verdächtig

Lektion: Die .brand entfaltet ihren vollen Wert bei einem bedeutenden physischen Vertriebsnetz.

BNP Paribas (.bnpparibas) - 250+ E-Mails

BNP Paribas hat mehr als 250 E-Mail-Adressen unter @meinebank.bnpparibas für seine Kundenberater eingerichtet.

Strategie: Ein starkes Authentizitätssignal in der Bankkommunikation schaffen, einem Sektor, der besonders von Phishing betroffen ist.

Erzielte Vorteile:

  • "Vertrauenssiegel", das Kunden ermöglicht, die Legitimität einer E-Mail sofort zu überprüfen
  • Klare Unterscheidung zu Betrugsversuchen
  • Stärkung der Berater-Kunden-Beziehung

Lektion: Regulierte Branchen (Bank, Versicherung, Gesundheit) haben einen offensichtlichen ROI bei der Phishing-Reduzierung.

MMA (.mma) - 1.600 Agenturen

MMA hat seine 1.600 Agenturen mit .mma-Adressen ausgestattet.

Strategie: Einheitliche Präsenz des Netzwerks in ganz Frankreich.

Erzielte Vorteile:

  • Nationale Markenkonsistenz
  • Einheitliche Kundenerfahrung unabhängig vom Kontaktpunkt
  • Vereinfachung der technischen Verwaltung (nur eine TLD zu verwalten)

Lektion: Die .brand ist besonders geeignet für Franchise- oder Agenturnetzwerke.

Microsoft (.microsoft) - Die Migration zu cloud.microsoft

Microsoft stellt den internationalen Referenzfall dar. Das Unternehmen hat 2012 für 8 TLDs kandidiert (.microsoft, .xbox, .azure...) und zwischen 2020 und 2023 die Initiative "One Consolidated Domain" (OCDI) gestartet.

Strategie: Schrittweise Migration der Microsoft 365-Produkte unter cloud.microsoft, womit 20 Jahre inkonsistente Benennung über Hunderte von Domains gelöst wurden.

Aufgetretene Herausforderungen:

  • Kritische interne Schulung: Viele Microsoft-Mitarbeiter wussten nicht von der Existenz ihrer eigenen TLDs
  • Notwendiges Weiterleitungssystem für Benutzerfehler (Eingabe als .com)
  • Konsultation anderer .brands (Sky, HSBC, BNP Paribas) für Implementierungserfahrungen

Lektion: Das organisatorische Engagement ist wichtiger als das Budget. Ohne überzeugten C-Level-Sponsor stirbt das Projekt.

Internationaler Benchmark: Wer dominiert den Markt?

Deutschland: Das Modell "Beraternetzwerk"

Deutschland dominiert das weltweite .brand-Ranking dank eines B2B2C-orientierten Ansatzes:

EndungBrancheDomainsStrategie
.dvagFinanzberatung10.5621 Domain pro Berater (max.mustermann.dvag)
.schwarzEinzelhandel (Lidl/Kaufland)739Interne Konzerndomains + Lieferanten
.audiAutomobil80+Deutsches Händlernetz

Kulturelle Faktoren: Starke Mittelstandskultur (Partnernetzwerk), hohe DSGVO-Sensibilität, fortgeschrittene B2B-Adoption.

Lektion: Unternehmen mit Berater-/Agentennetzwerken (Versicherung, Bank, Immobilien) haben ungenutztes Potenzial.

Vereinigtes Königreich: Das Modell "reguliertes Vertrauen"

Das UK bevorzugt .brands in regulierten Sektoren, in denen Vertrauen entscheidend ist:

EndungBrancheHauptnutzung
.barclaysBankKundenkommunikation, Anti-Phishing
.hsbcBankRegionale Portale, digitale Dienste
.skyMedien/TelekomVereinheitlichung der Streaming-Dienste
.bootsApotheke/EinzelhandelGesundheitsökosystem

Kulturelle Faktoren: Strenge FCA-Regulierung, reifer Markt für Bank-Phishing, starke Unternehmenskultur.

Lektion: Banken und Versicherer haben einen offensichtlichen ROI bei der Phishing-Reduzierung.

Vereinigte Staaten: Das Modell "Tech-Infrastruktur"

Die amerikanischen Tech-Giganten nutzen ihre .brands als strategische Infrastruktur:

EndungUnternehmenDomainsAnsatz
.googleAlphabet622Dienstekonsolidierung (registry.google)
.amazonAmazon268Souveränes internes DNS
.awsAmazon Web Services-Unabhängige Cloud-Infrastruktur
.appleApple-Minimale, defensive Nutzung

Amerikanisches Paradoxon: Trotz der größten Anzahl von Bewerbungen 2012 sind viele US-.brands untergenutzt oder aufgegeben.

Bemerkenswerte Misserfolge:

  • .gm (General Motors): Aufgegeben nach Umstrukturierung
  • .tiffany: Beendet nach Übernahme durch LVMH
  • .ford: Minimale Nutzung trotz Händlernetzwerk

Lektion: Größe garantiert keinen Erfolg. Das organisatorische Engagement ist wichtiger als das Budget.

Japan: Das Modell "digitales Keiretsu"

Japan präsentiert einen einzigartigen Ansatz, der mit der Struktur der Konglomerate verbunden ist:

EndungKonzernDomainsBesonderheit
.toyotaToyota Group185Ökosystem Hersteller + Zulieferer + Händler
.canonCanon Inc.-Konzerninterne Nutzung weltweit
.panasonicPanasonic-B2B-Kommunikation
.hitachiHitachi-Konzerninfrastruktur

Kulturelle Faktoren: Keiretsu-Struktur (vertikal integrierter Konzern), natürlicher Langzeithorizont, Sensibilität für die Markenehre.

Lektion: Industriekonzerne mit mehreren Tochtergesellschaften können ihre digitale Präsenz vereinheitlichen.

Italien: Luxus und Automobil

Italien hat massiv in .brands für seine Luxus- und Automobilmarken investiert:

EndungBrancheStatusAnmerkungen
.ferrariLuxusautomobilAktivDelegiert 2016, exklusive Markennutzung
.gucciLuxusmodeAktivAnti-Fälschung, digitale Identität
.lamborghiniLuxusautomobilAktivUnternehmenskommunikation
.fiatAutomobilAktivHändlernetz
.alfaromeoAutomobilAktivStellantis-Gruppe
.maseratiLuxusautomobilAufgegebenBeendet 2023 nach Umstrukturierung
.abarthAutomobilAufgegebenWiderrufen Juni 2023

Kulturelle Faktoren: Dominante Luxus- und Automobilindustrie, Sensibilität für Fälschungen, Premium-Markenimage.

Lektion: Luxusmarken haben ein offensichtliches Interesse daran, ihren Namensraum gegen digitale Fälschungen zu kontrollieren. Die Aufgaben (.maserati, .abarth) illustrieren das Risiko von Unternehmensumstrukturierungen.

Spanien: Sektorale Vielfalt

Spanien präsentiert das vielfältigste .brand-Portfolio Südeuropas:

EndungBrancheDelegationBetreiber
.telefonicaTelekomApril 2015Telefónica S.A.
.movistarTelekomJuni 2015Telefónica S.A.
.bbvaBankMai 2015BBVA S.A.
.lacaixaBankJuli 2014CaixaBank
.zaraModeOktober 2015Inditex S.A.
.mangoModeFebruar 2014Punto FA S.L.
.seatAutomobilApril 2015SEAT S.A.

Bemerkenswerte Punkte:

  • Telefónica: Einziger Telekommunikationsbetreiber mit 3 Marken-TLDs (.telefonica, .movistar, .terra)
  • Spanische Mode: Inditex (.zara) und Mango illustrieren das Interesse der Modebranche
  • Bankensektor: BBVA und CaixaBank für sichere Kundenkommunikation

Lektion: Spanien zeigt, dass eine .brand in verschiedenen Branchen relevant sein kann, nicht nur in Finanzen oder Tech.

Portugal: Einzelfall aber bedeutsam

Portugal hat nur eine aktive .brand, aber es ist eine interessante Fallstudie:

EndungBrancheBetreiberBesonderheit
.sapoWebportalPT ComunicaçõesErstes portugiesisches Portal (1,6 Mio. Besucher/Tag)

Kontext: SAPO ist das führende Webportal in Portugal, vergleichbar mit Yahoo/Orange für den portugiesischsprachigen Markt. PT Comunicações nutzt es, um seine digitale Präsenz zu konsolidieren.

Lektion: Auch kleinere Märkte können eine .brand rechtfertigen, wenn die Marke in ihrem Segment dominant ist.

Zusammenfassung nach Modell

ModellLandAnsatzNutzungsrate
HändlernetzwerkDeutschland1 Domain/Agent70-80%
Reguliertes VertrauenUKAnti-Phishing50-70%
Tech-InfrastrukturUSASouveränes DNS20-80% (variabel)
Digitales KeiretsuJapanKonzernintegration40-60%
Luxus & PremiumItalienAnti-Fälschung40-50%
Sektorale VielfaltSpanienMulti-Branchen40-50%
Physisches NetzwerkFrankreichVerkaufsstellen40-50%

Die fortgeschrittenen Sicherheitsvorteile

Über die Nutzerwahrnehmung hinaus bieten .brands einzigartige technische Fähigkeiten.

PSD DMARC: Schutz auf TLD-Ebene

PSD DMARC (Public Suffix Domain DMARC) ermöglicht die Anwendung einer DMARC-Richtlinie auf die gesamte TLD, nicht nur Domain für Domain.

Beispiel der Endung .bank (regulierte TLD für Finanzinstitute):

_dmarc.bank TXT "v=DMARC1; p=reject; psd=y"

Diese Konfiguration bedeutet, dass jede E-Mail von jeder Domain unter .bank einer strikten Ablehnungsrichtlinie unterliegt, wenn die Authentifizierung fehlschlägt.

Vorteile:

  • Systemischer Schutz: Für einen Angreifer unmöglich, eine Domain unter .bank zu erstellen und betrügerische E-Mails zu versenden
  • Einfache Verwaltung: Eine einzige Richtlinie für den gesamten Namensraum
  • Garantierte Konformität: Alle Domains erben automatisch die Richtlinie

BIMI: Ihr Logo in den Postfächern

BIMI (Brand Indicators for Message Identification) ermöglicht die Anzeige Ihres Markenlogos direkt in E-Mail-Clients (Gmail, Apple Mail), wenn eine E-Mail die DMARC-Prüfungen besteht.

Für eine .brand:

  • Das Logo erscheint systematisch für alle E-Mails der TLD
  • Starkes visuelles Signal der Authentizität für den Empfänger
  • Erfordert ein VMC-Zertifikat (Verified Mark Certificate), das das Markeneigentum bestätigt

Souveränes DNS: Der Fall .aws

Amazon Web Services nutzt seine Endung .aws als echtes souveränes Unternehmens-DNS:

  • Alle internen AWS-Dienste migrieren schrittweise zu .aws-Adressen
  • DNS-Infrastruktur vollständig von Amazon kontrolliert, ohne Abhängigkeit von Drittregistraren
  • Vollständige Isolation: Keine .aws-Domain kann von einem Dritten registriert werden
  • Native Integration mit AWS-Sicherheitsdiensten (IAM, CloudTrail)

Dieser Ansatz illustriert die .brand als strategische Infrastruktur, nicht nur als Marketinginstrument.

Defensive vs. aktive Strategie

Adoption von .brands nach Branche

Der defensive Ansatz: Die Falle

Viele Bewerber der Runde 2012 haben einen defensiven Ansatz gewählt: "Die TLD erhalten, um andere daran zu hindern, sie zu bekommen".

Ergebnis: Mehrere .brands nach einigen Jahren aufgegeben.

Aufgegebene .brandUnternehmenLandGrund
.gmGeneral MotorsUSAUmstrukturierung, keine aktive Nutzung
.tiffanyTiffany & Co.USAÜbernahme durch LVMH, Prioritätenwechsel
.maseratiStellantisItalienKonzernumstrukturierung, beendet 2023
.abarthStellantisItalienWiderrufen Juni 2023, kein identifizierter ROI
.bugattiVolkswagen-KonzernDeutschlandKein identifizierter Anwendungsfall

Die Lektion ist klar: Eine .brand ohne aktiven Nutzungsplan wird zu einem schwer zu rechtfertigenden Kostenfaktor.

Der aktive Ansatz: Wert schaffen

Erfolgreiche .brands folgen einem aktiven Ansatz mit konkreten Anwendungsfällen:

ModellBeschreibungBeispiel
customer.brandDirektes Kundenengagementportal.bnpparibas
channel.brandHändler-/Partnernetzwerkstadt.leclerc
marcom.brandMarketingkampagnenpromo.bmw
service.brandDigitale Serviceplattformencloud.microsoft

Schlüsselfrage vor der Bewerbung: Haben Sie mindestens 3 konkrete Anwendungsfälle über "unsere Marke schützen" hinaus?

Die Hindernisse für die Adoption

Eine ICANN-Studie von 2025 unter 2.000 Marketingverantwortlichen identifiziert die Hauptbarrieren:

HindernisProzentsatz
Kostenbedenken31%
Wissenslücken27%
Unzureichende Ressourcen24%
Mentalität ".com is king"18%

Diese Hindernisse sind real, aber überwindbar für Unternehmen mit einem soliden Business Case. Die Gesamtkosten (350-450K USD im ersten Jahr, 70-100K USD/Jahr danach) sind erheblich, aber vergleichbar mit anderen Investitionen in digitale Infrastruktur.

Für eine detaillierte Kostenanalyse konsultieren Sie unseren vollständigen Budget-Leitfaden gTLD 2026.

Empfohlener Aktionsplan

Schritt 1: Die Gelegenheit bewerten

Beantworten Sie diese 5 Fragen:

  1. Haben Sie ein Vertriebsnetz (Geschäfte, Agenturen, Berater), das die .brand nutzen kann?
  2. Sind Sie in einer regulierten Branche, in der Vertrauen entscheidend ist (Bank, Versicherung, Gesundheit)?
  3. Sind Sie erheblichen Phishing-Angriffen ausgesetzt, die Ihre Marke missbrauchen?
  4. Ist Ihr Markenportfolio kostspielig zu verteidigen (.com, Typosquatting)?
  5. Haben Sie einen C-Level-Sponsor, der bereit ist, das Projekt über 5-10 Jahre zu tragen?

Wenn Sie 3+ Fragen mit "Ja" beantworten, ist eine vertiefte Bewertung gerechtfertigt.

Schritt 2: Das Budget validieren

Mindestbudget für eine defensive/minimale .brand:

  • Jahr 1: 350.000 - 450.000 USD
  • Folgejahre: 70.000 - 100.000 USD/Jahr
  • Mindestverpflichtung: 10 Jahre (Laufzeit des Registry Agreement)

Schritt 3: Die Anwendungsfälle identifizieren

Dokumentieren Sie mindestens 3 konkrete Anwendungsfälle mit:

  • Geschäftsziel
  • Zu erstellende Domains/E-Mails
  • Erwarteter ROI (auch qualitativ)
  • Interner Verantwortlicher

Schritt 4: Die Entscheidungsmatrix verwenden

Um Ihre Entscheidung zu objektivieren, nutzen Sie unsere Entscheidungsmatrix mit 15 Kriterien.

FAQ

Kann eine .brand Einnahmen generieren?

Nein. Per Definition (Specification 13) ist eine .brand eine geschlossene TLD, bei der nur das Unternehmen Domains registrieren kann. Sie können keine Domains an die Öffentlichkeit verkaufen. Die .brand ist ein Kostenfaktor, der indirekten Wert schafft (Vertrauen, Sicherheit, Konsistenz), kein Profit Center.

Ersetzt die .brand die .com?

Nein, zumindest nicht kurzfristig. Die empfohlene Strategie ist die Koexistenz: Behalten Sie Ihre bestehenden .com-Domains (die die SEO-Historie und Bekanntheit haben) bei und setzen Sie die .brand schrittweise für neue Anwendungen ein. Microsoft behält microsoft.com bei und entwickelt gleichzeitig cloud.microsoft.

Kann man die .brand für geschäftliche E-Mails verwenden?

Ja, und das ist einer der relevantesten Anwendungsfälle. BNP Paribas nutzt @meinebank.bnpparibas für seine Berater. E-Mails unter .brand profitieren von einem starken Authentizitätssignal, besonders nützlich in von Phishing betroffenen Branchen.

Welche Auswirkung auf SEO?

Neutral. Google hat seit 2015 bestätigt, dass neue gTLDs wie andere Endungen (.com, .org) behandelt werden. Kein Vorteil, kein direkter Nachteil. Die Auswirkung ist indirekt: Nutzervertrauen, Klickrate, Markenwahrnehmung. Ihr SEO hängt von Ihrem Inhalt und Ihren Backlinks ab, nicht von Ihrer Endung.

Was passiert, wenn man die .brand nach einigen Jahren aufgibt?

Das ist möglich, aber kostspielig. Der Kündigungsprozess dauert 6-12 Monate und umfasst: ICANN-Benachrichtigung, Einfrieren der Registrierungen, Migration aktiver Dienste, Karenzzeit für Weiterleitungen. Der kumulative Verlust nach 5 Jahren minimaler Nutzung beläuft sich auf etwa 750.000 USD. Daher die Wichtigkeit eines langfristigen Engagements von Anfang an.

Glossar

  • .brand: Marken-TLD, die ausschließlich einem Unternehmen gehört, betrieben unter Specification 13 der ICANN
  • Specification 13: ICANN-Rechtsrahmen, der die Regeln für geschlossene Marken-TLDs definiert
  • PSD DMARC: DMARC angewandt auf Public Suffix Domain-Ebene (gesamte TLD), bietet systemischen Schutz
  • BIMI: Brand Indicators for Message Identification - Standard zur Anzeige des Markenlogos in E-Mail-Clients
  • Registry Agreement: Vertrag zwischen ICANN und dem TLD-Betreiber, mit einer verlängerbaren Laufzeit von 10 Jahren

Offizielle Quellen

Verwandte .brand- und ICANN-Anleitungen

Ähnliche Artikel