BIMI-Draft -11 vom 9. Oktober 2025: Änderungen und Vorbereitung
Von CaptainDNS
Veröffentlicht am 13. November 2025
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TL;DR - 🗞️ Der BIMI-Draft -11 (veröffentlicht am 9. Oktober 2025) führt offiziell die Local-Part Selectors (lps=) ein, um den BIMI-Selector aus der Absenderadresse abzuleiten, aktualisiert die ABNF-Grammatik und den Discovery-Flow, bestätigt dass **l= ein SVG/SVGZ über HTTPS liefern muss und erinnert an die DMARC-Vorgaben (kein p=none, bei p=quarantine ist pct=100 Pflicht).
🧩 BIMI in 1 Minute
BIMI (Brand Indicators for Message Identification) ermöglicht es einem Domaininhaber, im DNS festzulegen, welches Logo neben einer authentifizierten E-Mail angezeigt werden soll. Empfänger prüfen die BIMI-Policy, und das MUA entscheidet anhand seiner lokalen Richtlinie, ob das Logo gerendert wird.
🗞️ Neuerungen der Revision -11 (9. Oktober 2025)
lps=(Local-Part Selectors): neue optionale Kennung im BIMI Assertion Record, die eine Abfrage basierend auf dem lokalen Teil der Absenderadresse erlaubt – praktisch, wenn der HeaderBIMI-Selectornicht gesetzt werden kann.- Aktualisierte ABNF: der Eintrag erwähnt nun explizit den Block
local-part-selector; die Reihenfolge der Komponenten (außerv=) ist flexibel. - Erweiterte Discovery: ist
lps=vorhanden, normalisiert der Empfänger den Local-Part, versucht eine Abfrage mit dem abgeleiteten Selector und fällt zurück auf den Originaleintrag, falls nichts gefunden wird. - Bildformate: Stand heute sind nur
SVGundSVGZerlaubt; ein IANA-Register „BIMI formats" führt die zulässigen Formate. - Header-Hinweise:
BIMI-Selectorsollte DKIM-signiert (DMARC-konform) sein;BIMI-Location/BIMI-Indicator/BIMI-Logo-Preferencedürfen nicht signiert werden und müssen entfernt werden, wenn sie extern eingespeist werden.
🔧 lps=: Selector aus dem Local-Part ableiten
Ziel: je nach Absenderadresse unterschiedliche Logos anzeigen, ohne BIMI-Selector einzufügen. Der Standard-Record kann lps= aktivieren und die Abfrage auf <localpart>._bimi.<domain> umlenken.
Normalisierung (-11):
- Entfernen des Plus-Anteils (
+...). _und.durch-ersetzen, Mehrfachzeichen zusammenfassen, führende/abschließende-trimmen.- Nur Zeichen [A-Za-z0-9-] erlauben, Länge ≤ 63.
- Vergleich des Selectors ist nicht case-sensitiv.
Beispiele:
# lps= aktivieren, BIMI standardmäßig ablehnen
default._bimi.example.org. IN TXT "v=BIMI1; l=; a=; lps=brand-indicators-"
# Zwei Selector-Varianten aus dem Local-Part
brand-one-noreply._bimi.example.org. IN TXT "v=BIMI1; l=https://cdn.example.org/logo-one.svg"
brand-two-noreply._bimi.example.org. IN TXT "v=BIMI1; l=https://cdn.example.org/logo-two.svg; a=https://mva.example/vmc.pem"
🧪 Discovery, ABNF und Aufbau des Records
Der BIMI Assertion Record bleibt ein TXT unter <selector>._bimi.<domain>. Die ABNF-Grammatik (-11) erlaubt nun den Block local-part-selector und stellt klar, dass die Reihenfolge (außer v=) frei ist.
Wesentlich:
- Fallback: bei
lps=zuerst<localpart>._bimi.<domain>testen, danach zum Ausgangsselector zurückkehren. - Explizite Ablehnung:
v=BIMI1; l=; a=;lehnt BIMI für diesen Selector ab. - IANA: ein Formate-Register definiert, was
l=liefern darf (derzeit SVG/SVGZ).
🖼️ Logos: Formate und Validierung
l=muss eine HTTPS-URI sein.- Zulässige Formate:
SVGundSVGZ(gzip). - Empfänger prüfen Größe, SVG-Profil und Sicherheit, bevor das Logo angezeigt wird.
- Mit vorhandener Evidence
a=(z. B. VMC/CMC) kann das geladene SVG mit dem Zertifikat-Inhalt verglichen werden.
🔐 Anforderungen an Authentifizierung und Policy
- DMARC: die Nachricht muss DMARC bestehen (oder eine lokale Gleichwertigkeit).
- Policy: kein
p=none(weder auf der Absender- noch auf der Organisationsdomain). - Bei
p=quarantinemusspct=100sein. - Empfänger dürfen zusätzliche Verfahren (z. B. vertrauenswürdiges ARC) nutzen, um Fälle als „pass" zu bewerten.
✉️ BIMI-Header auf Empfängerseite
BIMI-Selector: falls vorhanden DKIM-signieren (DMARC-konform). Andernfalls sollte der Empfänger ihn ignorieren.BIMI-Location,BIMI-Indicator,BIMI-Logo-Preference: nie signieren und entfernen, wenn sie extern eingehen.
Beispiel Authentication-Results:
Authentication-Results: mx.example.org; dmarc=pass header.from=example.org;
bimi=pass header.d=example.org header.selector=brand-one-noreply;
policy.indicator-uri=https://cdn.example.org/logo-one.svg;
policy.indicator-hash=1a2b3c4d
🗓️ Zeitstrahl
- 2025-10-09 (-11):
lps=ergänzt, Discovery/ABNF überarbeitet. - 2025-06-16 (-10): Header-Konsolidierung,
avp=(Avatarpräferenz), optionaler Hash. - 2025-05-01 (-09): Discovery/Evidence-Iterationen.
- 2024-11-04 (-08/-07): CMC kommt zu VMC hinzu.
ℹ️ Status: Internet-Draft (work in progress); jedes MBP/MUA entscheidet weiterhin selbst über die Darstellung.
✅ Checkliste für die Umsetzung
- DNS: eine Selector-Strategie definieren (Default, Produktvarianten,
lps=bei Bedarf). - Logos: saubere SVG/SVGZ (Profil/Größe) bereitstellen und die URLs versionieren.
- Evidence:
a=(VMC/CMC) publizieren und die Kette pflegen. - Ausgehende MTAs:
BIMI-Location/BIMI-Indicator/BIMI-Logo-Preferencenicht setzen;BIMI-Selectorsignieren, falls verwendet. - Empfänger: LPS-Normalisierung implementieren, eingehende Header verwerfen und optional
policy.indicator-hashinAuthentication-Resultsergänzen.
🧭 Fazit
BIMI -11 revolutioniert nichts, aber öffnet einen typischen Anwendungsfall (Selector über den Local-Part) und schafft Klarheit bei Discovery, Formaten und Headern. Domains, die die Logo-Anzeige fein steuern wollen, gewinnen Flexibilität – vorausgesetzt, sie halten eine starke DMARC-Position und einwandfreie SVGs vor.
Informationsartikel basierend auf einem sich entwickelnden Internet-Draft; maßgeblich bleibt der IETF-Text.